Winter pur: Pferde laufen freudig über die schneebedeckten Flächen, Schneeflocken im Fell, knirschender Boden unter den Hufen und die klare Winterluft. Doch gefrorene Tränken und rutschige Wege erschweren Pferdehaltern den Stallalltag. Ein jeder merkt: Schnee sieht schön aus, bringt aber einige Herausforderungen mit sich. Damit die Bilderbuchmomente nicht von den negativen Aspekten überschattet werden, braucht es eine gut abgestimmte Haltung, Aufmerksamkeit und ein paar saisonale Besonderheiten, die du im Blick behalten solltest. In diesem Beitrag erfährst du, wie Pferde Schnee erleben, welche Risiken es gibt und wie du die Haltung im Winter optimal gestaltest.
1. Wie Pferde Kälte wahrnehmen
2. Schnee auf der Weide: Fluch oder Segen?
3. Fütterung bei Schnee & Kälte
4. Bewegung & Training im Schnee
5. Stall- und Ausrüstungsmanagement im Winter
Fazit: Wie kann ich dem Winterwetter trotzen?
1. Wie Pferde Kälte wahrnehmen
Viele Pferdehalter machen sich im Winter Sorgen, ob ihre Tiere frieren, besonders wenn die Temperaturen fallen und Schnee sich auf dem Fell sammelt. Dabei sind Pferde von Natur aus erstaunlich gut an kalte Jahreszeiten angepasst. Ihr Körper funktioniert in vielen Bereichen anders als unserer, und gerade Schnee ist für Pferde meist deutlich angenehmer als feuchte Kälte.
Pferde sind Kältespezialisten
Sobald die Tage kürzer werden, beginnt der Körper des Pferdes mit der Vorbereitung auf den Winter. Das Winterfell wächst nicht nur dichter, sondern bildet eine isolierende Luftschicht zwischen Haut und Umgebung. Diese natürliche „Daunendecke“ schützt ideal vor Kälte – selbst dann, wenn sich Schnee darauf absetzt.
- Schnee auf dem Fell bedeutet nicht, dass das Pferd friert. Im Gegenteil: Wenn sich Schnee sammelt, zeigt das, dass die Körperwärme so gut im Fell gehalten wird, dass sie den Schnee nicht schmelzen lässt.
- Der Wohlfühlbereich eines gesunden Pferdes liegt weit unter dem unserer eigenen Komfortzone. Viele Pferde empfinden Temperaturen bis –10 °C noch als angenehm.
Trockene Kälte vs. feuchte Kälte

Der entscheidende Unterschied für Pferde liegt weniger in der Temperatur selbst als in der Art der Witterung. Trockene Kälte und frischer Schnee werden von vielen Pferden erstaunlich gut vertragen, weil das Fell sich aufstellt und eine stabile, isolierende Luftschicht bildet. Der Körper bleibt warm, die Haut trocken, und selbst Minusgrade stellen dann kaum ein Problem dar. Feuchte Kälte hingegen ist für Pferde deutlich belastender. Nieselregen, Schneeregen oder nasskaltes Wetter dringen tiefer in das Fell ein, legen die Haare an und zerstören die schützende Isolationsschicht. In Verbindung mit Wind entsteht eine Kombination, die den Körper schnell auskühlen lässt – selbst bei Temperaturen, die eigentlich noch im Wohlfühlbereich liegen würden. Deshalb reagieren Pferde auf feuchte Kälte oft sensibler als auf trockenen Frost.
Wann Pferde wirklich frieren
Selbst Kältespezialisten haben Grenzen. Ein Pferd beginnt zu frieren, wenn seine natürliche Thermoregulation an ihre Belastungsgrenze kommt. Hier ist es nötig die Pferde individuell zu unterstützen. Typische Anzeichen sind:
- Zittern
- Eingezogener Bauch, gespannte Haltung
- Wenig bis keine Bewegung
- Kalte Ohren, aber Achtung: Ohren allein sind kein sicherer Indikator
Decke oder nicht?
Eine der häufigsten Winterfragen: Braucht das Pferd jetzt eine Decke?
Die Beantwortung der Frage sollte individuell geschehen, da jedes Pferd anders auf Kälte reagiert. Doch Schnee allein ist kein Grund zum Eindecken: Wenn er auf dem Fell liegen bleibt, funktioniert die natürliche Isolation gut. Kritisch wird es eher bei feuchter Kälte, Wind oder wenn das Pferd krank, geschoren, sehr alt oder untergewichtig ist.
Dieses Thema haben wir in einem separaten Blogbeitrag ausführlicher beantwortet: Pferdedecken im Überblick: Welche Decke braucht dein Pferd wirklich?
2. Schnee auf der Weide: Fluch oder Segen?

Wenn die Weiden unter einer dicken Schneeschicht verschwinden, verändert sich der Alltag der Pferde deutlich. Viele Tiere wirken plötzlich verspielter, wälzen sich begeistert in den weißen Flächen oder traben mit hoch erhobenem Kopf durch die Winterlandschaft. Schnee bringt Bewegung, Abwechslung und sichtbare Freude.
Vorteile
- Mehr Bewegung: Viele Pferde toben gerne durch Schnee.
- Schonung der Grasnarbe: Pferde schädigen gefrorene Böden weniger.
- Natürliche Beschäftigung: Manche Pferde schnuppern, wälzen sich oder knabbern an Schnee.
Risiken
- Verdeckte Bodenunebenheiten: Löcher, Äste oder Steine verschwinden = Stolpergefahr!
- Eisplatten: Besonders an Tränken, Torbereichen oder anderen häufig genutzten Flächen müssen rutschige Zonen frühzeitig gesichert werden.
- Schneeverwehungen: Pferde können Einsinken nicht gut einschätzen.
Praktische Tipps
- Löcher vor dem ersten Frost beseitigen.
- Wege regelmäßig kontrollieren und gefährliche Stellen markieren.
- Befahrbare Bereiche oder Stallvorplätze abstumpfen (ohne Salz!).
- Schneelasten an Überdachungen und Heuraufen prüfen. Sicherheit geht vor!
3. Fütterung bei Schnee & Kälte
Wenn es kälter wird, steigt der Energiebedarf und damit der Heu-Bedarf. Das gilt besonders dann, wenn Pferde Schnee auf den Weiden haben und keine Grasreste mehr finden. Gleichzeitig erschweren rutschige Wege und nasses Futter den Alltag, weshalb im Winter vor allem gut erreichbare, wettergeschützte Futterstellen wichtig sind.
Wichtig für die Winterfütterung:
- Mehr Heu anbieten: Pferde produzieren durch Verdauung Wärme.

Mit dem Drinking Post ist immer frisches Wasser verfügbar! - Regelmäßig Wasser kontrollieren: Tränken frieren extrem schnell ein.
- Schneetextur beachten: Pferde können Schnee als Wasserquelle nutzen, aber niemals ausschließlich!
- Mineralversorgung nicht vergessen: Durch weniger Gras sinkt die natürliche Mineralaufnahme.
Diese Produkte können dir den Stallalltag im Winter erleichtern
Damit Heu auch bei Schneefall trocken bleibt und die Pferde sicher fressen können, haben sich stabile und wetterfeste Lösungen bewährt: Heuraufen halten das Futter sauber und ermöglichen einen sicheren Stand. Dies ist besonders wichtig, wenn der Boden gefroren oder glatt ist. Auch Heunetze können helfen, Futterverluste im Schnee zu vermeiden und die Fresszeit zu verlängern, was die kontinuierliche Wärmeproduktion unterstützt.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Wasserversorgung. Gefrorene Tränken führen schnell dazu, dass Pferde zu wenig trinken und bergen damit ein erhöhtes Kolikrisiko. Frostgeschützte Tränken helfen dabei, das Wasser länger eisfrei zu halten und Versorgungslücken zu vermeiden, ohne dass täglich aufgetaut werden muss.
So sorgt eine gut strukturierte Winterfütterung dafür, dass Pferde Schnee, Frost und Kälte gesund überstehen: Unterstützt durch robuste, wintertaugliche Lösungen, die den Stallalltag für Mensch und Tier erleichtern.
4. Bewegung & Training im Schnee

Schnee verändert den Untergrund und damit auch die Art und Weise, wie sich Pferde bewegen. Viele Pferde sind im Winter besonders motiviert, weil die kalte Luft anregt und der Boden gedämpfter wirkt. Leichter Pulverschnee kann sogar für mehr Elastizität in der Bewegung sorgen und Gelenke entlasten. Gleichzeitig bringt Schnee aber auch Risiken mit sich: Gefrorene Stellen, verdeckte Unebenheiten oder tiefes Einsinken können Sehnen und Bänder belasten. Auch das Tempo spielt eine Rolle: Was im Sommer sicher ist, kann im Winter schnell zu viel werden. Deshalb lohnt es sich, Bewegung und Training bewusst an die winterlichen Bedingungen anzupassen und Chancen wie Risiken gleichermaßen im Blick zu behalten.
Tipps & Ideen für sicheres Training im Schnee
- Lange Schrittphasen einbauen: Der gleichmäßige Widerstand im Schnee stärkt Muskulatur und Koordination.
- Pulverschnee nutzen: Perfekt für leichtes Ausdauertraining – gelenkschonend und motivierend.
- Auf hart gefrorene Böden achten: Vermeide schnelle Wendungen oder Trab-/Galopparbeit, wenn der Untergrund zu hart ist.
- Kurze Einheiten im Tiefschnee: Nur begrenzt trainieren, da die Belastung auf Sehnen & Muskulatur verstärkt ist.
- Hänge bewusst einsetzen: Leichte Steigungen fördern Hinterhand und Balance und sorgen für Abwechslung. Doch Achtung: Nur auf sicherem, rutschfreiem Boden trainieren.
- Pausen häufiger einbauen: Pferde ermüden im Schnee schneller als auf freien Flächen.
- Spaßfaktor berücksichtigen: Bodenarbeit, kleine Gelassenheitsübungen oder Spaziergänge bringen Abwechslung und sind wintertauglich.
- Hufkontrolle vor jeder Einheit: Feste Schnee- oder Eisklumpen im Huf erhöhen die Rutschgefahr.
5. Stall- und Ausrüstungsmanagement im Winter
Gute Organisation macht den Winter leichter – für Pferd und Mensch. Gerade bei Schnee, Eis und Minusgraden lohnt es sich, Stallbereiche und Abläufe so zu strukturieren, dass sie sicher und effizient funktionieren. Kleine Maßnahmen können große Wirkung haben und verhindern, dass Routinearbeiten durch rutschige, vereiste oder schwer zugängliche Bereiche unnötig erschwert werden.
Das solltest du im Blick behalten:
- Rutschfeste Stallbereiche schaffen: Ohne Salz, besser mit Sand, Granulat oder speziellen Einstreuvarianten abstumpfen.
- Eis regelmäßig abklopfen: Besonders an Schubkarrenrädern, Torgriffen oder Schließmechanismen.
- Klare, freigeräumte Wege: Zu Heuraufen, Futterkammer und Tränke – täglich kontrollieren.
- Decken trocken lagern: Gut belüftet, regelmäßig ausschütteln oder lüften, um Nässe zu vermeiden. Hier helfen unsere Deckenhalter!
- Schneelasten prüfen: Überdachungen, Heuraufen, Unterstände und Dächer regelmäßig von Schnee befreien, bevor die Last zu schwer wird.
Fazit: Wie kann ich dem Winterwetter trotzen?
Schnee allein ist selten das Problem – oft genießen Pferde die klare Luft, den weichen Untergrund und die sanfte Dämpfung unter den Hufen. Entscheidend ist deshalb nicht, dass es schneit, sondern wie gut Haltung, Fütterung und tägliche Abläufe an die Winterbedingungen angepasst sind. Wer die individuellen Bedürfnisse seines Pferdes im Blick behält, erkennt schnell, ob es friert, ob der Untergrund sicher ist oder ob Veränderungen im Stallmanagement nötig werden.
Eine durchdachte Fütterung mit ausreichend Raufutter, ein verlässlicher Zugang zu eisfreiem Wasser und sichere Wege rund um Stall und Weide bilden dabei die Grundlage. Genauso wichtig: Bewegungs- und Trainingszeiten dem Untergrund anpassen und bei Bedarf mit einer Decke unterstützen – immer individuell, nie pauschal.

Mit ein wenig Organisation lassen sich die Herausforderungen des Winters gut meistern, und die schönen Momente überwiegen: spielende Pferde im Schnee, klare Wintertage und entspannte Routinen. So wird der Winter nicht zur Belastung, sondern zu einer Zeit, die Pferd und Mensch gemeinsam genießen können.